top of page

In meiner fotografischen Arbeit setze ich mich mit gesellschaftlichen Zuschreibungen binärer Geschlechterrollen auseinander. Die Serie hinterfragt, wie diese Vorstellungen unsere Wahrnehmung von Körpern, Intimität und Berührung prägen und wie sich solche Muster visuell aufbrechen lassen.

Ein zentrales Element der Arbeit ist die bewusste Umkehrung klassischer Farbcodes: Blau steht für Weiblichkeit, Rosa für Männlichkeit. Durch diese Neuordnung werden vertraute Assoziationen irritiert und stereotype Erwartungen bewusst infrage gestellt. Die Farbe dient dabei nicht nur als gestalterisches Mittel, sondern als Werkzeug, um den Blick auf Körperlichkeit und Identität neu zu lenken.

Die fotografierten Körper sind nackt, mit Farbe bedeckt, ineinander verschlungen oder von Händen berührt und markiert. Die Gesten bewegen sich zwischen Zärtlichkeit und Kontrolle, zwischen Nähe und Distanz. Besonders die Hände spielen eine zentrale Rolle: Sie berühren, bemalen, hinterlassen Spuren und symbolisieren zugleich gesellschaftliche Einflüsse und Zuschreibungen.

Berührung wird in der Serie nicht ausschließlich körperlich verstanden, sondern auch als Blick des Betrachters. Die Arbeiten stellen die Frage, wie wir Menschen unbewusst kategorisieren und welche Vorstellungen von Geschlecht dabei mitwirken. So entsteht eine Bildsprache, die sowohl sinnlich als auch gesellschaftskritisch ist.

Die Serie bewegt sich bewusst zwischen Inszenierung und Intuition. Während der fotografischen Arbeit entstanden viele Aufnahmen direkt im Prozess heraus. Statt starrer Posen entwickelte sich eine natürliche Dynamik. Dadurch wirken die Bilder lebendig und authentisch.

Fotografiert wurde im Studio vor einem neutralen weißen Hintergrund mit einer reduzierten Lichtsetzung aus zwei Softboxen. Licht und Schatten betonen die Körperformen und verleihen den Figuren räumliche Präsenz, während der Hintergrund den Fokus vollständig auf Körper, Farbe und Geste lenkt.

Auch die Präsentation der Arbeiten ist Teil des Konzepts: Die Fotografien hängen nicht starr an der Wand, sondern frei im Raum mit leichtem Abstand zur Fläche. Durch Nägel und Magnete befestigt, können sie sich bewegen und auf ihre Umgebung reagieren. Diese offene, schwebende Hängung steht sinnbildlich für die Themen der Serie — für Veränderung, Bewegung und die Möglichkeit, festgelegte Vorstellungen von Körper, Nähe und Identität neu zu denken.

color me wrong

Fotoprojekt   |   2025   |   3.Semester

repro1.jpg

Die Serie besteht aus sieben übereinander angeordneten Bildstreifen im Querformat und misst insgesamt 88,4 × 29,7 cm.

Gedruckt wurde die Arbeit auf 170 g Novatech Gloss Papier.

bottom of page